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<title>Manchester-Triage-System</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Manchester-Triage-System</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Das <b>Manchester-Triage-System</b> (<b>MTS</b>) ist ein standardisiertes Verfahren zur systematischen <a href="Triage" title="Triage">Ersteinschätzung</a> der Behandlungsdringlichkeit in der <a href="Notaufnahme" title="Notaufnahme">Notaufnahme</a>. Speziell geschulte Pflegekräfte teilen dabei neu eintreffende Patientinnen und Patienten nach ihren Symptomen in eine von fünf Dringlichkeitsgruppen ein. Ziel ist die schnelle Festlegung von sicheren und nachvollziehbaren <a href="Priorit%C3%A4t" title="Priorität">Behandlungsprioritäten</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p><p>Im Gegensatz zur <a href="Triage" title="Triage">Triage</a> in Kriegs- oder Katastrophenfällen wird dabei davon ausgegangen, dass <i>alle</i> eintreffenden Patienten innerhalb eines bestimmten Zeitfensters tatsächlich behandelt werden können; eine Gruppe „Sterbender“, die nicht behandelt wird, ist demnach nicht vorgesehen. Im angloamerikanischen Sprachraum wird der Begriff „Triage“ für beide Ansätze genutzt, während im Deutschen „Triage“ eher für präklinische und Katastrophenfälle und „Ersteinschätzung“ für die routinemäßige klinische Priorisierung verwendet wird.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verbreitung">Verbreitung</h2></div>
<p>Beginnend mit ersten Einführungen 1995 in Manchester, fand es binnen kurzem auch außerhalb der britischen Insel Verbreitung. Mittlerweile findet es Anwendung in <a href="Australien" title="Australien">Australien</a>, <a href="Brasilien" title="Brasilien">Brasilien</a>, <a href="Deutschland" title="Deutschland">Deutschland</a>, <a href="Irland" title="Irland">Irland</a>, <a href="Italien" title="Italien">Italien</a>, <a href="Japan" title="Japan">Japan</a>, <a href="Kanada" title="Kanada">Kanada</a>, <a href="Mexiko" title="Mexiko">Mexiko</a>, <a href="Neuseeland" title="Neuseeland">Neuseeland</a>, <a href="Niederlande" title="Niederlande">Niederlande</a>, <a href="Norwegen" title="Norwegen">Norwegen</a>, <a href="%C3%96sterreich" title="Österreich">Österreich</a>, <a href="Portugal" title="Portugal">Portugal</a>, <a href="Schweden" title="Schweden">Schweden</a>, <a href="Schweiz" title="Schweiz">Schweiz</a>, <a href="Spanien" title="Spanien">Spanien</a>, <a href="Tansania" title="Tansania">Tansania</a>.
</p><p>In <a href="Deutschland" title="Deutschland">Deutschland</a> begann die Einführung 2004 in den städtischen Kliniken in <a href="Hamburg" title="Hamburg">Hamburg</a>. Als erste <a href="Uniklinik" class="mw-redirect" title="Uniklinik">Uniklinik</a> führte 2008 die <a href="Charit%C3%A9" title="Charité">Charité</a> dieses Verfahren ein, mittlerweile ist es deutschlandweit in Krankenhäusern aller Versorgungsstufen und Trägerschaften weit verbreitet. Es kann davon ausgegangen werden, dass ca. 20 % aller Notaufnahmen Deutschlands das MTS einsetzen.
In <a href="%C3%96sterreich" title="Österreich">Österreich</a> wird das MTS beginnend 2009 im Universitätsklinikum Graz<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> in zahlreichen Krankenhäusern angewendet.
In der <a href="Schweiz" title="Schweiz">Schweiz</a> ist das MTS seit Ende 2011 in den Spitälern Schaffhausen und dem Stadtspital Triemli in Zürich etabliert und verbreitet sich insbesondere in der deutschsprachigen Schweiz schnell.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entwicklung">Entwicklung</h2></div>
<p>Das Manchester-Triage-System wurde von der <i>Manchester Triage Group</i> (MTG) entwickelt. Sie gründete sich im Jahr 1994 aus Mitarbeitern des ärztlichen und pflegerischen Dienstes aus der Notfallversorgung der acht Krankenhäuser des NHS in Manchester mit dem ausdrücklichen Ziel, einen <a href="Konsens" title="Konsens">Konsens</a> zwischen <a href="Notfallmedizin" title="Notfallmedizin">Notfallmedizinern</a> und <a href="Krankenpflege" class="mw-redirect" title="Krankenpflege">Pflegekräften</a> zu den Standards der klinischen Triage zu entwickeln.
</p><p>1994 gab es in den <a href="Krankenhaus" title="Krankenhaus">Krankenhäusern</a> <a href="Vereinigtes_K%C3%B6nigreich" title="Vereinigtes Königreich">Großbritanniens</a> unterschiedliche Schemata zur Festlegung von Behandlungsprioritäten. Diese basierten zum einen auf unterschiedlichen <a href="Merkmal" title="Merkmal">Merkmalen</a>, hingen vom persönlichen Empfinden der Triagekraft ab und hatten zum anderen unterschiedliche Zeitfenster. Auch die Anzahl der möglichen Stufen der Eingruppierung variierte.
</p><p>Die Erkenntnis der Notwendigkeit eines einheitlichen Schemas entstand vor dem Hintergrund, einheitliche und verlässliche Versorgungsstandards zu etablieren. Außerdem sollte eine schnelle und einfache, aber aussagefähige <a href="Dokumentation" title="Dokumentation">Dokumentation</a> möglich sein.
</p><p>Die MTG sammelte und verglich die lokal etablierten Schemata, anschließend wurden die Gemeinsamkeiten einerseits, die Unterschiede andererseits herausgearbeitet. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse fand eine <a href="Diskussion" title="Diskussion">Diskussion</a> statt, an deren Ende ein konsentiertes <a href="Modell" title="Modell">Modell</a> zur Ersteinschätzung stand. Die Pilotierung erfolgte 1995 in Manchester, ihr folgte sehr schnell eine nationale Verbreitung. Erste internationale Einführungen (<a href="Irland" title="Irland">Irland</a>, <a href="Niederlande" title="Niederlande">Niederlande</a>) datieren bereits von 1996.
</p><p>Im Jahr 2005 wurde die überarbeitete und ergänzte 2nd Edition veröffentlicht. Sie berücksichtigt den medizinischen Fortschritt und die Erfahrungen der ersten zehn Jahre der Anwendung, verändert das System und das Herangehen aber nicht grundsätzlich. Mit dem Erscheinen der 2nd Edition wurde eine „International Reference Group“ etabliert. In ihr arbeiten Vertreter aller nationalen Anwendergruppen zusammen und entwickeln das System im Konsens weiter. Diese Form der Zusammenarbeit ist weltweit einzigartig und ein Alleinstellungsmerkmal des Manchester-Triage-Systems. Einmal im Jahr wird sich an wechselnden Orten zu einer gemeinsamen Konferenz getroffen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verfahren">Verfahren</h2></div>
<p>Das Manchester-Triage-System geht von Beschwerdebildern und <a href="Leitsymptom" title="Leitsymptom">Leitsymptomen</a> aus. Innerhalb kurzer Zeit wird der Patient beispielsweise nach den Symptomen zu „Lebensgefahr“, „<a href="Schmerz" title="Schmerz">Schmerzen</a>“, „<a href="Blut" title="Blut">Blutverlust</a>“, „<a href="Bewusstsein" title="Bewusstsein">Bewusstsein</a>“, „<a href="K%C3%B6rpertemperatur" title="Körpertemperatur">Temperatur</a>“ und „<a href="Krankheit" title="Krankheit">Krankheitsdauer</a>“ eingeschätzt und entsprechend dieser Einschätzung einer von fünf Stufen der <a href="Dringlichkeit" title="Dringlichkeit">Dringlichkeit</a> zugewiesen.
</p><p>Diesen Gruppen sind jeweils <i>maximale Wartezeiten</i> zugeordnet, also die Zeitspanne, nach der ein Patient spätestens Arztkontakt haben soll. Die Gruppen sind:
</p>
<table class="wikitable">
<caption>Einschätzungsgruppen nach MTS
</caption>
<tbody><tr>
<th>Gruppe
</th>
<th>Bezeichnung
</th>
<th>Farbe
</th>
<th>max. Wartezeit
</th></tr>
<tr>
<td>1
</td>
<td>SOFORT
</td>
<td>rot
</td>
<td>0 Minuten
</td></tr>
<tr>
<td>2
</td>
<td>SEHR DRINGEND
</td>
<td>orange
</td>
<td>10 Minuten
</td></tr>
<tr>
<td>3
</td>
<td>DRINGEND
</td>
<td>gelb
</td>
<td>30 Minuten
</td></tr>
<tr>
<td>4
</td>
<td>NORMAL
</td>
<td>grün
</td>
<td>90 Minuten
</td></tr>
<tr>
<td>5
</td>
<td>NICHT DRINGEND
</td>
<td>blau
</td>
<td>120 Minuten
</td></tr>
</tbody></table>
<p>Um die Arbeit des Ersteinschätzenden zu unterstützen, wurden analog zu den typischen Beschwerdebildern Präsentations<a href="Diagramm" title="Diagramm">diagramme</a> entwickelt, in denen die möglichen Symptome (als sogenannte Indikatoren) den fünf Dringlichkeitsstufen zugeordnet sind. Diese Diagramme sind mit Begriffen bezeichnet, die die möglichen Beschwerdebilder des Patienten möglichst sinnvoll zusammenfassen. Neben zu erwartenden Diagrammen wie „<a href="Asthma" class="mw-redirect" title="Asthma">Asthma</a>“, „Thoraxschmerz“ oder „Wunden“ gibt es auch solche, die auf den ersten Blick irritierend wirken mögen, den Alltag einer Notaufnahme aber treffend widerspiegeln: „Schreiendes Baby“ oder „Besorgte Eltern“.
</p><p>Jedem Diagramm (Beschwerdebild) und jedem Indikator (Symptom) sind Erläuterungen beigegeben, die Zweifel bei der richtigen Auswahl ausräumen sollen. So soll beispielsweise beim speziellen Indikator „Unpassende Vorgeschichte“ (verwendet beispielsweise im Diagramm „Besorgte Eltern“) der Ersteinschätzende auf die Möglichkeit eines <a href="Sexueller_Missbrauch" title="Sexueller Missbrauch">Missbrauchs</a> hingewiesen werden.
</p><p>Die Durchführung der Ersteinschätzung wird mittlerweile von fast allen großen Krankenhausinformationssystemen (KIS) unterstützt, dies erleichtert der Ersteinschätzungskraft nicht nur die Ersteinschätzung selbst, sondern auch die Dokumentation und spätere Auswertungen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Emergency_Severity_Index" title="Emergency Severity Index">Emergency Severity Index</a></li>
<li><a href="Glasgow_Coma_Scale" title="Glasgow Coma Scale">Glasgow Coma Scale</a></li>
<li><a href="Sichtungskategorie" title="Sichtungskategorie">Sichtungskategorie</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>U. B. Crespin, G. Neff (Hrsg.): <i>Handbuch der Sichtung</i>. Stumpf & Kossendey-Verlag, Edewecht 2000, ISBN 3-932750-20-9.</li>
<li>R. Kirchhoff (Hrsg.): <i>Triage im Katastrophenfall</i>. primed-Fachbuch-Verlag, Erlangen 1984, ISBN 3-88429-115-7.</li>
<li>Kevin Mackway-Jones, Janet Marsden, Jill Windle (Hrsg.): <i>Ersteinschätzung in der Notaufnahme. Das Manchester-Triage-System.</i> 3. überarbeitete und ergänzte Auflage, Huber, Bern 2011, ISBN 978-3-456-84986-7 (deutschsprachige Ausgabe übersetzt, bearbeitet und herausgegeben von Jörg Krey und Heinzpeter Moecke).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ersteinschaetzung.de/">ersteinschaetzung.de</a>, deutschsprachige Website der nationalen deutschen Referenzgruppe zum Manchester-Triage-System vom Herausgeber des Buches <i>Ersteinschätzung in der Notaufnahme</i>.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Michael Christ, Florian Grossmann, Daniela Winter, Roland Bingisser, Elke Platz: <cite style="font-style:italic">Triage in der Notaufnahme</cite>. Moderne, evidenzbasierte Ersteinschätzung der Behandlungsdringlichkeit. In: <cite style="font-style:italic">Deutsches Ärzteblatt international</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>107</span>, <span style="white-space:nowrap">Nr.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>50</span>, 2010, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>892–898</span>, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.3238/arztebl.2010.0892">10.3238/arztebl.2010.0892</a></span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=79711">aerzteblatt.de</a> [PDF]).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Manchester-Triage-System&rft.atitle=Triage+in+der+Notaufnahme&rft.au=Michael+Christ%2C+Florian+Grossmann%2C+Daniela+Winter%2C+...&rft.date=2010&rft.doi=10.3238%2Farztebl.2010.0892&rft.genre=journal&rft.issue=50&rft.jtitle=Deutsches+%C3%84rzteblatt+international&rft.pages=892-898&rft.volume=107" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Joachim Koppenberg: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.pschyrembel.de/Manchester%20Triage%20System/K0RQ5"><i>Manchester Triage System (MTS).</i></a> In: <i>Pschyrembel Online.</i> Walter de Gruyter, Juni 2023,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 26. Oktober 2023</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AManchester-Triage-System&rft.title=Manchester+Triage+System+%28MTS%29&rft.description=Manchester+Triage+System+%28MTS%29&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.pschyrembel.de%2FManchester%2520Triage%2520System%2FK0RQ5&rft.creator=Joachim+Koppenberg&rft.publisher=Walter+de+Gruyter&rft.date=2023-06&rft.language=de"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.uniklinikumgraz.at/fileadmin/media/lkh-univ-klinikum-graz/Uniklinikum/Partner_und_Zuweiser/MTS/Dokumente/MTS_Artikel_KlinoptikumOktober2010.pdf">LKH - Univ. Klinikum Graz (PDF)</a></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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